INHALT

Zur Geschichte von Buchow-Karpzow

Eine Buchow-Karpzowerin erzählt

Im Jahr 2000

Der erste Kindergarten

Zur Geschichte von Buchow-Karpzow

Ein Teil des heutigen Ortes Buchow-Karpzow ist Buchow, die beiden Dörfer sind wegen ihrer räumlichen Nähe zusammengezogen worden.              Der "Ort des Buch " ist aber nicht ein Ort des Buches, gemeint ist vielmehr der Name Buch oder slawisch Budislav.

Auf die Zeit bevor Slaven das Havelland besiedelten, weisen Funde auf dem Dreikaiserberg (heute Mühlenberg) aus dem 18. Jahrhundert hin.

Beim "Steinebuddeln" fanden sich Urnen mit Leichenbrand, Bronzeschmuck und eine Speerspitze, außerdem ein kleiner römischer Flaschenkrug.

1375 wurde Buchow erstmals erwähnt, damals hatte der Ort an der Wublitz, wo sich heute der Havelkanal durch das Land zieht,                                    24 Hufen (altes deutsches Flächenmaß).

1412 besaßen Gercke und Otto von Armin beide Dörfer mit Ober- und Niedergericht, danach ging der Besitz an die Familie von Hacke.

 

1612 bestanden zwei Rittersitze, die den Brüdern Georg von Hacke und Franz von Hacke gehörten.

 

                                               Oft wechselten im Laufe der Geschichte die Eigentümer der beiden Dörfer,

                                               bis 1737 Hauptmann Caspar Friedrich von Bredow auf Senske das vereinigte Gut für 54 000 Taler erwarb.

                                               Die Ära der Bredows begann, viele Verknüpfungen, Erbschaften und Überlassungen führten dazu, dass

                                               Carl Friedrich Wilhelm Albert Bredow die Bewirtschaftung des Gutes übernahm. 1879 wurde das 

                                               Gutshaus ausgebaut und der Park erweitert und verschönert.

 

                                               

                                                Carl von Bredow starb 1904, der noch einzige lebende Sohn Hasso geb. 1878, übernahm den Besitz.

                                                1905 ehelichte er Agnes von Alvensleben und hatte mit ihr fünf Kinder, zwei Söhne und drei Töchter.

                                                 Hasso bewirtschaftete das Gut, neben Getreide und Hackfrüchte wurden auch Ölfrüchte angebaut.                

                                                 Der Hof hatte auch einen großen Viehbestand z.B. 100 Milchkühe, 20 Zuchtochsen, 50 Ackerpferde,                              

                                                 50 Schweine und eine Schafherde. In der Kartoffelbrennerei wurde Spiritus zur Treibstoffherstellung 

                                                 produziert.

                                                 Beide Söhne fielen im zweiten Weltkrieg, bei der Bodenreform 1945 wurden die Bredows enteignet.

                                                 Hasso von Bredow arbeitete bis zu seiner Ausweisung als Grabenaufseher. 1954 starb er und wurde

                                                 mit behördlicher Sondergenehmigung in Buchow-Karpzow beigesetzt                                       

      

                                                  Die Töchter lebten in West-Berlin und besuchten zu besonderen Anlässen Buchow-Karpzow.

                                                     

                                                  Das Schloss steht heute noch, von seinem ursprünglichen Stil ist leider nichts mehr zu erkennen.                                                 

                                                  Die Idee ist es, das Schloss mit seiner ursprünglichen Fassade zu sanieren.   

Eine Buchow-Karpzowerin erzählt.

 

Sie kommt aus Landsburg an der Warte (Polen) und war eine von 9 Geschwistern. Mit 4 Jahren kam sie zu Pflegeeltern, die eine Wirtschaft führten. Der Pflegevater ist, wenn keine Saison war den weiten Weg bis Ketzin gefahren um in der Zuckerfabrik zu arbeiten, da der Ertrag zum Leben nicht ausreichte. Die Arbeit auf dem Hof mussten dann die Pflegemutter und sie übernehmen, daß hieß dass sie nach der Schule noch arbeiten musste.

1945 wurden sie von den Polen vertrieben, nur mit dem Nötigstem sind sie drei Wochen unterwegs

um in Buchow-Karpzow anzukommen, hier wohnten Verwandte. In einer kleinen Dachstube in der Sprittergasse sind sie zunächst untergekommen, ohne Möbel, nur mit den Dingen die sie mitgebracht hatten. Von Verwandten ist dann etwas Hausrat zusammengekommen.

 

Aus einer Gulaschkanone gab es Wassersuppe (Wasser und Mehlklümpchen), die konnten sie sich mit kleinen Milchkannen holen. Gern erinnert sie sich an die alte Frau Küster die sonntags Fettgebäck gemacht hat und ihnen oft welches abgab.

Übrigens: als die Russen die Destille im Keller vom Schnitterhaus entdeckten, in dem auch der große Kochofen, den man Grube nennt, sind sie begeistert gewesen und man braucht nicht viel Fantasie um sich vorzustellen welch Folgen das hatte. Auf dem großen Ofen wurde für viele Familien und die Schnitter gekocht, jeder brachte morgens seinen Topf mit den Zutaten ,

,dann wurde es auf den Herd gegart und abends abgeholt, da nicht jeder eine Kochstelle hatte.

 

An der Kirche standen noch zwei Panzer auf denen die Kinder spielten, es wurde bald verboten zu gefährlich! (Heute spielen die Kinder mit Panzern in Videospielen, sollte man auch verbieten, mindestens genauso gefährlich!)

 

Nach einer Weile wurden Wohnungen getauscht und so zog die Familie in das Haus in dem sie heute noch lebt, in eine Schnitterwohnung, nur das damals 4 Familien dort wohnten. Durch die Bodenreform sind sie zu etwas Land und dann auch zu einer Kuh gekommen, es ging ein bisschen aufwärts.

 Jeder hat versucht sich selbst zu versorgen, so hatte auch jeder Hühner, die auf dem Hof durcheinander liefen, hatte mal jemand mehr Eier als Hühner wurden die abgegeben. Sie kann sich nicht daran erinnern, das es Streit gegeben hätte obwohl sie so bescheiden und beengt lebten. Jeder hat dem Anderen geholfen auch bei der Feldbestellung wurde z.B. mit vereinten Kräften und Pferden gepflügt. Die Gerätschaften zum Pflügen und Eggen konnte man sich bei der Wirtschaft Grohmann borgen oder man hat sie untereinander getauscht. Da das Geld sehr knapp war haben oft die Kinder die Leihgebühr auf dem Feld abgearbeitet.

 

Als sie etwas älter wurde ist sie mit Freundinnen zum Tanz nach Hoppenrade oder Falkenrehde. Oft wurde es spät, ihre Pflegeeltern haben ihr eingeschärft sie solle ja nicht erst nach Hause kommen wenn es schon hell draußen ist, damit die Leute sie nicht sehen. Es ist trotzdem vorgekommen, dann gab es eine Predigt und keinen Schlaf, Tanzkleid ausziehen und rein in die Arbeitssachen. Wenn in Priort " Zum Weinberg“ Tanz gewesen ist, sind sie immer gemeinsam nach Hause. Es ist nicht selten vorgekommen, dass am Waldrand Soldaten auf die Mädchen gewartet haben, wenn sie Scheinwerfer von Fahrzeugen sahen, haben sie einen Umweg über die Felder genommen und sind an anderer Stelle in das Dorf.

Mit ihrem Freund, den sie dann kennenlernte, wurden Kinobesuche unternommen. Weit mussten sie nicht laufen oder fahren, in der Gaststätte ( heute "Zum Engel“) ist einmal in der Woche Filmvorführung gewesen. (Ob damals im Kino auch schon geknutscht wurde? Sie sagt nein, da sie sehr streng erzogen wurde.)

Viele Jahre arbeiteten sie in der LPG, sie im Schweinestall und er in der Pflanze. Es wurden auch selbst Schweine gehalten, um den Verdienst aufzubessern. Früher gab dafür schönes Geld, nach der Wende wollte keiner mehr dafür bezahlen und die LPG wurde aufgelöst.

Heute ist sie 87 Jahre alt, man staunt wie fit sie ist und wie viel Elan sie versprüht. Auch mit dem Rollator holt sie Grünes für die Hühner und Unkraut wird man in ihrem Garten vergebens suchen.

 

Hut ab!

Im Jahr 2000

Im Jahr 2000 sind wir nach Buchow-Karpzow gezogen, bis dahin haben wir von dem Dorf wenig Notiz genommen. Ein eigenes Haus, unser Traum hat sich erfüllt. Unser Sohn ist davon überhaupt nicht begeistert gewesen. " Was soll ich hier? Hier ist doch nichts los! "

Wir hatten uns schnell eingelebt und sind mal wieder zu dem Schluss gekommen: Wie man auf die Leute zugeht, kommt es auch zurück.

Hatten wir Fragen oder brauchten wir Hilfe, hat uns oft der Nachbar geholfen, den sie hier den heimlichen Bürgermeister von Karpzow nannten, auch die anderen Nachbarn sind immer hilfsbereit gewesen. 

Durch die Vorbereitungen zur 650- Jahrfeier des Dorfes haben wir viele "Ureinwohner" kennengelernt. Bei der Feier haben wir dann auch geholfen. Die große Drehleiter von der Feuerwehr ist eine Sensation gewesen, man konnte sehr weit sehen.

Ich habe gerade Bier gezapft, da berichten ein paar junge Männer: "Ihr müsst unbedingt mal hochfahren, da liegt eine Nackte im Garten".

Bei mir hat es gleich klick gemacht, mein Sohn und seine Freundin wollten sich in unserm Garten sonnen. Ich mit rotem Kopf ab nach Hause und tatsächlich, die Freundin liegt mit einem winzigen String in der Sonne. Kurze Ansage von mir und zurück zum Bier zapfen, immer noch mit rotem Kopf.

Mittlerweile ist viel Zeit vergangen und wir wollen hier auch nicht mehr weg.

Übrigens mein Sohn wohnt jetzt auch in Buchow-Karpzow und hat hier eine Familie gegründet.

                                                                                                                                                                                   Kerstin Damast  

 

Der erste Kindergarten 

In den sechziger Jahren wurde in Buchow-Kapzow der erste Kindergarten eingerichtet, er befand sich in der Parksraße 7, der Eingang war an der Giebelseite die zum Wald zeigt. Zwei Erzieherinnen sind zuständig gewesen, Gruppen gab es nicht, die Kleinen lernten von den Großen und die Großen lernten auf die Kleinen Rücksicht zu nehmen.

Da es kein WC gab, wurde kurzerhand ein Plums-Klo am Waldrand aufgestellt, um jedem kleinen Hintern den richtigen Halt zu geben, wurde in das Sitzbrett verschieden große Löcher gesägt.

( Heute nicht mehr vorstellbar, aber damals ganz normal.)

Um das Mittagessen wurde sich gemeinsam gekümmert, jeder von den Eltern ist mal mit Kochen dran. Meist gab es Eintöpfe, den Kindern hat es geschmeckt und wenn es möglich war konnten sie sich auch etwas wünschen.

Mittagsschlaf gehörte zum Tagesablauf, die kleinen Liegen aus Holz und Stoff wurden jeden Tag aufgestellt und gegen 16.00 Uhr wurde der Kindergarten geschlossen.

Die Liegen haben noch lange Verwendung gefunden, auch als er in das Schloss umzog.

Hier ist es schon komfortabler gewesen, es gab zwei Räume, da wo heute der Tanzraum ist, der Eingang wahr über die Veranda. Auch das mit dem Mittagessen wurde einfacher, die LPG-Küche befand sich gleich nebenan im Schloss und versorgte die Knirpse mit.

Einen Spielplatz gab es auch, mit Schaukel und Klettergerüst. Er ist eingezäunt gewesen, damit keines von den ca. 20 Kindern verloren geht.